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Bronzezeit und Römisches Reich

Geburtsstunde von Metall- und Glasarbeiten: Bis zum Bronzezeitalter läßt sich keine Änderung in der Schmuckherstellung, eher ein technischer Fortschritt beim Bohren und Schleifen beobachten. Mit der Metallverarbeitung und der Glasherstellung in den folgenden Perioden explodierten nahezu die Bandbreiten der verwendeten Materialien und der Techniken bei der Schmuckanfertigung. Es wurden fortan kostbare Materialien in den sich ablösenden Hochkulturen des Altertums aufwendig verarbeitet. Zu den einfacheren Methoden wie Ausglühen, Prägen und Treiben von Goldblechen lernten die Goldschmiede nach 3000 v. Chr. alle wesentlichen Techniken der Schmuckherstellung wie Gravur, Filigrantechnik, Granulation, Gieß-, Zellentechnik und Emaillierung. Das Bohren von Edelsteinperlen wurde schon 3500 vor unserer Zeit in Ägypten entwickelt. Während der griechischen und römischen Antike und sogar zuvor in Ägypten wurden zahlreiche Nachahmungen hergestellt, so daß diese Zeit als die Geburtsstunde des Modeschmucks mit Imitationscharakter gelten darf.

Scarabeus Sacer Farbenreicher Schmuck in Ägypten: Die kalt und heiß geschmiedete Bearbeitung, das Wachsauschmelzverfahren und der Überfangguß wurden schon in den weit entwickelten Städten der Sumerer in Mesopotamien ab 3500 und in Harappa im Industal ab 2500 v. Chr. angewandt. Leider lässt sich infolge der geringen Anzahl an Gräbern lediglich nachweisen, daß die Sumerer auf einem sehr hohen Niveau die Schmuckstücke aus dünnem Goldblech mit Karneol und Lapislazuli verzierten. In Indien zog man es vor, Kupfer und Bronze zu gießen und zu hämmern. Eine Vorliebe galt den kunstvoll gestalteten Perlenketten aus Jaspis, Achat, Onyx und Gold. Besonders eindrucksvoll ist die Goldschmiedekunst der altägyptischen Handwerker. Im Mittelpunkt ihrer Kompositionen standen mit eingetriebenen oder aufgelöteten Zellen bedeckte Flächen, die mit rotem Karneol, blaugrünem Türkis und blauem Lapislazuli gefüllt wurden. Sie stellten außerdem nachweislich Modeschmuck her, indem sie ihre eigenen Modelle im großen Stil kopierten. Der damals herrschende Mangel an Edelsteinen zwang die Ägypter zum Einsatz vom Bergkristall auf rotem Untergrund und erhitztem Quarzpulver mit blauen Kupferverbindungen als perfekte Alternative für Karneol und Lapislazuli. Die Bergkristalle wurden daneben mit farbigen Schichten überzogen und Glasmassen füllten die Zellen (cloisonné-Technik: Fayence, Email). Tonperlen, wunderschöne Glasperlen in unterschiedlichen Formen und Glasimitate von kostbaren Juwelen für die beliebten Halsketten scheinen ungeheuer beliebt gewesen zu sein. Der farbenreiche Schmuck der Ägypter hatte vorzugsweise religiösen beziehungsweise symbolischen Charakter. Er stellte zumeist Käfer, Augen, Geier, Lotusblüten und Lebensschleifen dar. Daneben konnten sich Beamte und Offiziere schwere Halsketten als Auszeichnung verdienen und der Siegelring fungierte, wie man es erwartet, als Amtssiegel. Interessant ist dabei, daß von ca. 3500 v. Chr. bis zum Eindringen der griechischen Kultur dieselben Formen und Techniken verwendet wurden.

Der Handel mit den falschen Steinen: Auch die Lehrer der griechischen und etruskischen Künstler, die Phönizier, die hervorragenden Goldschmiede der minoischen und mykenischen Kultur und die Etrusker, berühmt durch ihre einzigartige Granulationstechnik, alle schummelten ein wenig bei der Herstellung von Schmuck (Granulation: Auflöten von winzigen Perlen in Reihe). Sie füllten Perlen mit Sand, um Material zu sparen, überzogen unedle Materialien hauchdünn mit Gold und kopierten sehr aufwendig wie zuvor die Ägypter ausgewählte Edelsteine. Es herrschte schon damals ein reger Handel mit falschen Steinen und Perlen. Jede Kultur entwickelte ihren eigenen Stil. Dabei verfeinerten sich die Techniken zur Schmuckherstellung, und es verlagerten sich die Schwerpunkte. Die alten Griechen legten beispielsweise das Hauptgewicht auf die Wesenheit des Stoffes und besannen sich zuerst auf schlichtes Zierat aus Gold, während die Etrusker eher figürliche, tierische und Motive pflanzlicher Art vorzogen.

Brautschmuck Sammlung Hellenismus - formenreiche Schmuckperiode der Antike: Unter der folgenden römischen Herrschaft wurde diese Entwicklung jäh beendet, die im Hellenismus ihren Höhepunkt hatte. Der Hellenismus war die wohl ergiebigste und formenreichste Schmuckperiode in der Antike, nicht zuletzt aufgrund der Ausbildung einer breiten Mittelschicht. Die folgende Aufzählung verdeutlicht dies: Halsketten aus Perlen aller Art, mit Filigran und Granulation verzierte halbmondförmige Ohrringe und Goldreifen, Haarnetzkappen aus Golddraht, Ohrringe in Bügelform mit Tiermotiven wie Löwe und Stier, Ohrgehänge mit farbigen Tierfiguren aus der griechischen Mythologie, Anhänger wie Medaillons, einfache Armreifen aus glattem oder verziertem Metall, halbmondförmigen Bekrönungen, die Tiara, mit Einlegearbeiten aus Karneol, Granat, Smaragd und Amethyst, Diademe aus reliefierten Halsbändern mit geometrischen Steinanhängern, schlichte schwere Goldketten, die in Tierköpfen endeten, Armspangen mit Tierabbildungen und spiralartige Schlangenarmbänder, auch als Fingerringe (Filigran: sehr feiner, geformter Draht, hier auf Oberflächen aufgebracht).

Reiche Römer: Die Römer hielten jegliches Zierat für zwecklos und vergänglich, wenn es nicht in Maßen als Standeszeichen, als Amtssiegel, in geringen Mengen als Grabbeigabe oder auf gesellschaftlichen Höhepunkten als Zierat diente. Das richtige Maß bestimmte unromantisch die Gesetzgebung mit Gewichtsangaben (z.B. lex oppia: 13,65 g/Person ). Wer mehr als einen Ring trug, galt schon als zwielichtige Person. Zwei Jahrhunderte nach der Geburt Christi tendierte die Mode trotz der Vorliebe für wenig Zierde und Schlichtheit eindeutig zu immer mehr Farben und Opulenz. Charakteristisch für diese Zeit sind die aufwendig verarbeiteten Fingerringe mit zwei bis fünf Schienen für die gleiche Anzahl von Edelsteinen und die reich verzierten Scheibenfibeln (opus interasile: Eine Zeichnung wird mittels Stichel aus dem Blech herausgeholt, daß eine filigranartige Wirkung entstand).

Flucht mit Schmuck aus Pomeji: Die weniger Begüterten eiferten der Mode durch Kupfer-, Eisen- und Bronzeringe mit Glaseinsätzen nach. Gemmen, Kameen und Perlen wurden ebenfalls zahlreich ersetzt. Bemalte Kieselkeramik war das Ausgangsmaterial für die Melonenperlen, die aneinandergereiht den echten Perlenketten zum Verwechseln ähnlich sahen. Römische Perlen bestanden aus Glas, das die damaligen Schmuckhersteller mit Gold, Silber oder einer Lösung aus Fischschuppen überzogen. Es kann auch davon ausgegangen werden, daß einige Käufer mit diesem unechten Schmuck ein wenig betrogen wurden. Lediglich bei den gerne getragenen Ohrringen wie der Barretta, ein Stab mit zwei Perlen, und der griechischen Halbkugel legte man stets auf Edelmetalle wert, um Entzündungen am Ohr zu vermeiden. Der Wert des Modeschmucks muß für die Pompejaner sehr hoch gewesen sein, da sie ihr Zierat auf der Flucht vor der heißen Magma in kleinen Schachteln bei sich trugen.

Mit dem Untergang des römischen Reiches ist der zweite große Abschnitt der Schmuckgeschichte und Entwicklung des Modeschmucks abgeschlossen. Die kennengelernten Methoden zur Herstellung und die Bedeutung gab man weiter. So treten auch in der Folgezeit immer wieder dieselben funktionalen Schmuckformen wie der Siegelring und die antiken Motive auf: Stilisierte Geburtsmotive als Fruchtbarkeitssymbole, Sonne und Mond, die das Tagesleben gliedern, der Granatapfel als Symbol für die Liebe, die Ehe und die Fruchtbarkeit, Augen als Schutz vor dem "bösen Blick", Kuppen und Dreiecke als Vermittler zwischen dem Himmel und der Erde, Kreise für die Zusammengehörigkeit und Spiralen als Symbol für die Entwicklung.


Autor©: Dipl.-Geg. Karl Frohnes, Göttingen 2005

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