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Gotik bis Barock
Nach den ersten Tendenzen im 14. Jahrhundert, sich der religiösen Macht zu entziehen und ein weltliches Kulturverständnis zu fördern, begann langsam die Vorliebe für alles Schöne und Luxus. Nach einer Rückbesinnung auf schlichtere Formen im 13. Jahrhundert
spielten in der Hoch- und Spätgotik figürliche und glasüberschmolzene Motive (émail en ronde bosse) eine hervorragende Rolle.
Von Fürsten und Gilden: Leider wurden weitere entwicklungslähmende Statute erlassen, die nur dem schon Vermögenden Besitz von Schmuck zusprach. Die Fürsten wetteiferten regelrecht, wer die prachtvollsten Objekte besaß. Wichtig für die weitere Entwicklung des Schmucks war das neue Ansehen der Goldschmiede als Künstler und die Einführung der Gilden. Ihnen war von nun ab der Gebrauch von Glasplasten und farbigen Folien unter den Steinen untersagt. Billige Schließen und Amulette hatten natürlich trotzdem eine Bedeutung. Bis zum 16. Jahrhundert sind dünne Halsbänder aus Golddraht und Perlen, später zumeist mit Anhänger, kunstvoll ausgestaltete Gürtelschließen, massige, überall mit Inschriften bedeckte Ringe bzw. Ringbroschen und Hutbatzel mit Broschen die charakteristischen Kompositionen.
Renaissance - Kleidung und Schmuck in lebhafter Wechselwirkung: Während der Hochrenaissance im 16. Jahrhundert erstarkte der Drang, etwas Neues zu schaffen und die veralteten Ansichten beiseitezulegen. Man kehrte zu klassischen Kunstformen und Denkmethoden, zur Wiedergeburt des antiken Geistes zurück und schmückte sich außerordentlich reich. Die Goldschmiede waren zwar weiterhin auf ihre fürstlichen Auftraggeber angewiesen, aber auch in den höchsten Ständen der Gesellschaft bewegte sich viel. Seit der Antike zeigten sich Kleidung und Schmuck erstmals wieder in lebhafter, nahezu perfekter Wechselwirkung. Mittels Kupferstich vervielfältigten bedeutende Künstler wie Dürer und Hohlbein ihre Entwürfe, damit sie anderswo als Muster oder Anregung Verwendung fanden. Die zeitgenössischen Künstler wurden erstmalig als historisch bedeutsame Persönlichkeiten angesehen.
Man schwärmte für Halsschmuck und besonders für vielfältige Broschen und Anhänger, die in Gold gearbeitet und reich mit Juwelen oder Kameen besetzt oder emailliert wurden. Neben den Symbolen für Gerechtigkeit, Weisheit und Stärke in Form von Adler und Löwe waren wieder mythologische Symbole wie antike Fabelgestalten (Sirenen, Tritonen) bestimmend. Buchstaben, Monogramme und Edelsteine finden sich häufig. Die Herren der höheren Ämter favorisierten üppigen Hutschmuck, zahlreiche Fingerringe an allen Gliedern und große Standes- und Ehrenketten, die man breit über die Schulter legte (Portrait Heinrich VIII v. England).
Venezianische Perlenimitationen aus Glas: Venedig bildete in dieser Epoche das Zentrum für den Handel mit Perlen und Edelsteinen. Es war zudem auf dem Sektor der Glasherstellung führend. Der Handel mit Perlenimitationen erfuhr von hier aus einen enormen Aufschwung. Auch vergoldete Metalle und folienhinterlegte Steine fanden großen Absatz bei den Damen mit geringerem Budget. Insbesondere im späten 16. Jahrhundert, als der zweite stilistische Höhepunkt nicht nur in der Schmuckkunst zum pompösen und übertriebenen Luxus überging, gewannen die Imitate an Popularität. Das gesamte Kunstgewerbe blühte regelrecht auf, da mit steigendem Wohlstand die Nachfrage nach solchen Erzeugnissen wuchs.
Das charakteristische Schmuckobjekt der Spätrenaissance war das mit echten Perlen, Rubinen und Diamanten besetzte Canning-Juwel, ein fabelhafte Figur, dessen Torso von einer einzigen Perle gebildet wird. Neben weiteren Broschen in der Gestalt von Fabelwesen, Vogelformen und Schiffsformen kam nach der Hinrichtung von Charles I. erstmalig Andachtsschmuck in Form eines Sarges ganz groß in Mode, sogenannter Momento-Mori, der im Modeschmuck 200 Jahre später eine große Rolle spielen sollte.
Barock - Geburt des Rosenschliffs: Nach den Verwüstungen der Kriege in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde allmählich der Weg zur Verselbständigung des Modeschmucks geebnet. Die politische Lage blieb weitgehend stabil und der Edelsteinmarkt erhielt infolge der zunehmenden Handelsverbindungen ein verändertes Aussehen. Die Textilmode ließ mit der Armfreiheit mehr Schmuck am Körper zu und die Juwelierkunst erstarkte durch die Prunksucht im Barock und nicht zuletzt durch die Entwicklung des Diamantschliffs mit sechzehn (Mazarinschliff, Rosenschliff) und später sogar zweiunddreißig Facetten. Jetzt entfalteten die Smaragde, Rubine, Saphire, Topase und allen voran der in Silber gefasste Diamant in der Form einer sich öffnenden Knospe ihre vollständige Leuchtkraft. In Indien, dem Herkunftsland des Diamanten, lehnte man derartige Methoden ab, um die magischen Kräfte des Diamants zu erhalten. Die folgende Verlagerung des Schwerpunkts von der Fassung auf den Edelstein ging mit der neuartigen Bedeutung des Schmucks als reine Zierde und modisches Accessoire einher. Es war die Geburtsstunde von kurzlebigen Modebewegungen. Im Gegensatz zum Mittelalter wurden Schmuckstücke kunstvoll nach Kupferstichvorlagen umgearbeitet, nicht mehr eingeschmolzen.
Memento-Mori - Symbolik des Todes: Der Publikumsgeschmack richtete sich auf mehrfach um den Hals geschwungene Perlenketten, Perlenschnurarmbänder, Spitzen, Bänder, Schuhschnallen, lange Ohrgehänge, Uhren-, Miniaturmedaillons und Schleifenbroschen (sévignés) mit naturalistischen Maleremails und Kameen. Die Kriege und Seuchen ließen die Memento-Mori-Bewegung in Form von Särgen mit schwarzen Ambraperlen und diamantbesetzten Totenschädeln weiterleben. Der Prunk spiegelte sich natürlich auch in der zunehmenden Produktion von Imitaten wider. Zwei Innovationen kann man aus heutiger Sicht als bahnbrechend bezeichnen. Die Franzosen spezialisierten sich auf die Fertigung von Perlenimitationen. Mittlerweile beschwerte man Glasperlen mit einer Lösung aus Fischschuppen (essence d orient) und überzog sie mit Wachs. Selbst Ludwig XIV. war von der Qualität dieser Perlen überrascht. Die zweite Neuerung bildete die von Georges Ravenscroft entwickelte Glaspaste (1675). Es handelte sich um ein Bleiglas mit edelsteinähnlichen Eigenschaften, das hervorragend geschliffen und poliert werden konnte. Einige Jahrzehnte später wurde dieses Glas weltberühmt.
Autor©: Dipl.-Geg. Karl Frohnes, Göttingen 2005
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