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Nachkriegszeit bis heute
Luxus der Nachkriegszeit: Nachdem sich die Lage in den 50er Jahren soweit gebessert hatte, daß die Menschen in Europa wieder Geld für Schmuck ausgeben konnten, zielten sie sofort auf ein gepflegtes und vornehmes Äußeres ab. Luxus und Opulenz machte sich dort breit, wo kein Mangel an Geld herrschte.
Die neue Diamantenmode basierte weiter auf Bewegungen der Objekte. Brillanten zeigten einen ausgefallenen Schliff (z.B. Baguetteschliff). Man kehrte zu Weißgold und Platin zurück. Perlen waren auch ungeheuer beliebt (choker-Halskette) und Kurzhaarfrisuren ließen viel Spielraum für mannigfaltigen Ohrschmuck für den Tag und den Abend. Schmuck und Fantasieschmuck orientierten sich nun an kurzlebigen Modetrends. So bebten z.B. Blüten bei jeder Bewegung auf den diamantenbesetzten Blütenzweigbroschen im Stil des 18. Jahrhunderts und Marienkäfer krabbelten auf Blätter- und Blumenbroschen (Cartier).
Tiffany, Dior und Trifari: Die USA waren noch Zentrum des Handels mit Modeschmuck. Die neue Diamantenmode interpretierten die mittlerweile großen kommerziellen Anbieter. Die Stimmungen des 18. Jahrhunderts wurden in Rokokofassungen mit sanften Farben und tropfenförmigen Anhängern eingefangen. Eine besondere Vorliebe galt in Europa den mehrreihigen und übergroßen Perlen aus Spritzgußkunststoff, die sich gegen den Willen des Trägers auflösten.
Nennenswerte Hersteller für kreative Schmuckkunst waren Tiffany, Dior und Trifari, die unterschiedliche Top-Designer oder ganze Firmen unter Vertrag nahmen. Jean Schlumberger kreierte nach der langjährigen Zusammenarbeit mit Schiaparelli für Tiffany Blumen und Meerestiere mit asymmetrischen Details. Mit Donald Clafin verhalf er Tiffany nach dem Krieg zu dem bis heute anhaltenden Erfolg. Christian Dior setzte neue Akzente im Modeschmuck der 50er Jahre. In Deutschland begann mit der Allianz zwischen Dior und Henkel & Grosse eine neue Ära des Modeschmucks. Auch Chanel meldete sich zurück. Sie kombinierte echte Perlen mit Strass oder Perlennachahmungen mit Diamanten. Italien bot eine Reihe von sehr frechem Schmuck an (Canesi, Coppola e Toppo, Luciana). Trifari hatte Erfolg mit schlichtem, vergoldeten Schmuck für den Tag, der für den Abendschmuck mit Diamantglas und stilisierten Vögelchen dekoriert wurde. Die Krönung von Elisabeth II. spiegelte sich in einer vergoldeten, mit Glassteinen besetzten Kollektion von Trifari wider. Ein besonderes Highlight waren für Trifari und genau genommen für die gesamte Branche die beiden Schmucksets, die die First Lady Mamie Eisenhower 1953 und 1957 anläßlich zweier Antrittsbälle zeigte (Perlencollier mit Diamantglas, Ohrringen und Armband).
Sehr außergewöhnlichen Schmuck präsentierten Miriam Haskell (USA), inspiriert durch indische, byzantinische und griechische Einflüsse (Filigran, Granulation), und Lea Stein (Paris), die mittels einer Überlagerung von Celluloidschichten ein besonderes Gewebe für ihre Schwalben-, Eulen-, Pudelpins, Armreifen, etc. entwickelte.
Die goldenen 60er: Die 60er Jahre waren das Jahrzehnt des Goldes. Breite goldene Oberflächen gewannen an Popularität, wovon die Goldschmiedkunst im engeren Sinne profitierte. Die Goldarmbänder, Goldketten und Goldringe waren die charakteristischen Schmuckstücke dieser Zeit. Sie fassten Brillanten, Steine wie Rauchquarz, Turmalin, Tigerauge, Peridot, Bernstein, Topas, Opal, Mondstein oder Goldmünzen und wurden von einer breiten und mittlerweile kaufkräftigen Bevölkerung getragen.
Die Studentenproteste der späten 60er Jahre führten einen Jugendkult herbei. Die sozialen und moralischen Veränderungen spiegelten sich im Entwurf von aufregenden, stürmischen Kleidern und Accessoires wider. Die Nachfrage richtete sich bis weit in die 70er Jahre auf moderne und zeitgenössische Objekte.
Weltraumlook und PVC: Der Modeschmuck war mittlerweile bei allen Anlässen akzeptiert. Er war nicht mehr von großen Stilperioden geprägt. Statt dessen spricht man bis heute eher von "look", "Welle" oder "Trend", die von den großen Firmen eingeleitet oder verstärkt werden. Neu war die Verwendung von den genannten natürlichen Mineralien. Unter den Basismaterialien fanden sich oft Glasfluß, Spiegel, Harz, Kunststoff, Leder und Schlangenhaut. Man experimentierte mit allem, was nichts kostete. Die technischen Möglichkeiten wurden ebenfalls weiterentwickelt (Galvanoformung, Schleuderguß, Prägen).
Die Designer boten einfallsreiche Motive, die sie teilweise dem Echtschmuck entnahmen. Mit den ersten Mondflügen wurde Schmuck im Weltraumlook zum Minirock und zu den PVC-Kleidern sehr beliebt. Er ähnelte der Mondoberfläche oder sah aus wie stark vergrößerte Molekularstrukturen. Besonders interessant wirkten Objekte mit Flächen in unterschiedlichen Ebenen oder schwarz-weißen Rastern, die optische Täuschungen erzeugen sollten (Op-Art). An den Ohren drehten sich mobile Scheiben, Vierecke, Kreise und psychedelische Spiralen. Man hatte auch ein Faible für vergoldete Leoparden und Tiger als Ring, Brosche oder Ohrring. Die kleinen Plastikbroschen in Form von Keksen und Zitronenscheiben erinnerten an Elsa Schiaparellis Motive.
Parallel zum Goldschmuck waren hochglänzendes Zierat und schlichte Goldimitationen (Trifari) sehr gefragt, manchmal auch geschmolzenen Goldklumpen gleich. Henkel & Grosse vergoldeten massige geometrische Schmuckobjekte.
Ethno-Wellen - Hippies, Disco und Punk: Wer sich nach den entbehrungsreichen Jahren endlich kostbaren Schmuck zu besonderen Anlässen zulegte, trug ihn zumeist über einen längeren Zeitraum bis weit in die 70er Jahre. Die Modeströmungen konnten mit günstigem und doch anspruchsvollen Modeschmuck miterlebt werden. Er konnte als reine Zierde für den Augenblick präsentiert und vielleicht für den nächsten wieder gewechselt werden. Neu war das Beobachten und Kopieren von Modetrends, die aus unterschiedlichen Bewegungen selbständig entstanden. Wenn die Hippie-, Frauen-, Ethno-, Disco- und Punkwelle ihre eigenen Sprachen hatten, so musste man nur lernen sie zu verstehen. Dann konnten sie in Schmuck interpretiert werden. Getragen wurden die Kompositionen von der neuen Generation junger Kunsthochschulabsolventen, die sämtliche Ideen kreativ und rasch umsetzen konnten.
Es folgte zuerst die Rückkehr zu allem Natürlichen. Indische Einflüsse machten sich besonders bemerkbar. Hier stieg Trifari mit seiner indischen Kollektion aus Basismetallen und Glassteinen ein. Man trug außerdem vergoldete Metallohrringe und Armreifen mit Perlen und Glöckchen zu weiten Kleidern aus Trödelläden, romantischen, wadenlangen Leinenkleidern, mexikanischen Ponchos und Latzhosen. Darüber hing das charakteristische Schmuckstück der 70er Jahre: Die Kette. Man trug sie kurz oder lang, dünn oder dick, doppelt oder einfach, lang herunter hängend oder vor dem Bauch zusammengeknotet, aus Tigerauge, Koralle, Lapislazuli, Onyx oder Perlen. Die Industrie setzte insbesondere auf Farben bei den übergroßen Hippie-Medaillons, unter anderem mit afrikanischen und psychedelischen Motiven aus Email.
Die dünnen Goldkettchen am Arm und eng am Hals verdankte man dem hohen Goldpreis, der nach seiner Erholung wieder größere Objekte zuließ. Der neuen Karrierefrau sagte weiblicher Schmuck überhaupt nicht zu. Sie bevorzugte die extravagante Brosche im Stil des Art-déco. Etwas schicker und schrill zeigte sich die Disco-Mode, bei der vor allem fluoreszierende Stoffe und glänzende Materialien mit Metalleffekten bevorzugt wurden. Die etwas später einsetzende Punkwelle konnte 1977 alles Dagewesene toppen. Sicherheitsnadeln und nietenbestückter Lederschmuck sollten der Ablehnung Ausdruck verleihen. Doch selbst diese Welle beobachtete die Modeindustrie sehr kritisch und bietet bis heute eindeutig kopierte Objekte. Der Nietengürtel erlebte sogar nach 2002 bei denen eine Art Wiedergeburt, die 1977 noch nicht geboren waren.
Die weitere Entwicklung war geprägt vom Avantgardeschmuck der Galerien, deren Anzahl in Deutschland stark zunahm. Man setzte sich mehr mit Farben und Körpern im Raum auseinander. Auch abstrakte Kleinplastiken und körperhafte Elemente standen im Vordergrund.
In den letzten zwanzig Jahren zeigte der Modeschmuck eine riesengroße Vielfalt, bei der neue Kunststoffe ("Expo Kunststoff" Hanau 1993), Latex und Silikonkautschuk (z.B. Esther Bott) Verwendung fanden. Die Perlen werden gegenwärtig aus Perlmuttmasse (Antillenperlen), Glas, Plastik (Antillenperlen) und Fischsilberlack (Alabasterperlen) gefertigt. Die großen Firmen spezialisierten sich mehr auf Lifestyle- und Luxusartikel, während zahlreiche Künstler sehr anspruchsvollen Designerschmuck gestalteten (u.a. Verena Sieber-Fuchs, Manfred Nisslmüller, Wilhelm Tasso Mattar, Cathy Chotard, Rene Hora, Anette Walz).
Autor©: Dipl.-Geg. Karl Frohnes, Göttingen 2005
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